Jubiläumstage Lichtheideheim

Jubiläumstage Lichtheideheim

Goethe & viel mehr …

Erfolgreiche Jubiläumstage des Lichtheideheims Glüsingen

 

„Und an dem Ufer steh ich lange Tage /

Das Land der Griechen mit der Seele suchend.“

 

Auffallend ruhig war es im Alten Haus des Lichtheideheims Glüsingen, als dieses Zitat aus Goethes Werk „Iphigenie auf Tauris“ zu Beginn der Jubiläumstage erklang. Es passte genau zum Lichtheideheim, denn Gründer Dr. Walter Fränzel war ein leidenschaftliche Goethekenner, ein wahrer „Goetheaner“, wie Zeitzeugen wissen. Er kannte wohl zu jeder Gelegenheit die passenden Worte des großen deutschen Dichters auswendig. Ein wenig standen die Teilnehmer da, um die Seele und Geschichte des Ortes zu finden.

„Iphigenie auf Tauris“ steht aber noch für einen ganz anderen Markstein in der Lebensgeschichte von Dr. Walter Fränzel, nämlich für den Ersten Freideutschen Jugendtag im Oktober 1913 als Treffen der Jugendbewegung auf dem Hohen Meißner. Dort führte der Jenaer Sera-Kreis um den Verleger Eugen Diederichs dieses Stück auf. Walter Fränzel gehörte dem Sera-Kreis an und war deswegen ebenfalls auf dem Hohen Meißner.

Stichwort Wetter. Sehr durchwachsen. Es gab Sonnenschein, Regen, Kühle und Wärme. Die Sauna erfreute sich großer Nachfrage. Und wieder der Blick in die Historie: Familie Fränzel entdeckte ihr Glüsingen 1926 im Rahmen ihrer Lichtgeländewoche in der Lüneburger Heide. Diese Entdeckung im Sommer 1926 war auch der Anlass, die Jubiläumstage des Lichtheideheims 2026 zu feiern und nicht erst 100 Jahre nach dem Datum des Geländekaufs und der Schuleröffnung 1927. Die Geschichte des Lichtheideheims gestaltete sich als ein fließender Prozess, denn bereits 1919 hatte Erich Martin hier ein vegetarisches Ferienheim eröffnet, welches im Prinzip die Grundlage für die „Unternehmung“ von Familie Fränzel bildete. Also „Ein Jahrhundert und viel mehr…“, so lautete das Motto der Jubiläumstage, denn die neue Lebensweise vor Ort währt bereits mehr als 100 Jahre.

Vom AKK Birkenheide e.V. bei Berlin war Nils angereist. Hier hatte Walter Fränzel 1925 seine zweite Lichtgeländewoche veranstaltet. Die Macher der Jugendbewegung, der Reformpädagogik und der Freikörperkultur pflegten ein enges Netzwerk. Nils konnte erläutern, warum es damals bei solchen Lichtgeländewochen üblich war, Truppenübungsplätze zu mieten. „Damals durfte Deutschland nur eine begrenzte Anzahl Soldaten unter Waffen halten, dadurch wurden Truppenübungsplätze nicht in ihrer vollen Größe benötigt. Sie wurden vermietet oder sogar verkauft!“

Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die gemeinsamen Mahlzeiten und da waren besonders die leckeren vegetarischen Gerichte ein Höhepunkt, die Harald Fränzel vom Campingplatz zauberte, ganz in der Tradition der vegetarischen Ernährung in Glüsingen.

Die Vorbereitung der Jubiläumstage lag in den Händen einer Vorbereitungsrunde gemeinsam mit Familie Fränzel. Unzählige Programmpunkte fanden großen Anklang. Die Tage begannen mit der morgendlichen Sportrunde und dem Team der Nackedei-Buchreihe, Jens und Katja leiteten Kreistänze an, Hellevetika lud z.B. zur Baummeditation und zu einer Trommelreise zum Krafttier, bei der Körpermalerei mit der Nackedeibuchreihe entstanden Tiergesichter, aber auch Clowns, einige Bienenwachskerzen in Gläsern wurden gegossen.

Ein wichtiger Programmpunkt wurde am letzten Abend die Vorstellung des Buches: „Lichtheideheim Glüsingen: Ein Jahrhundert und viel mehr…“ Am Anfang wurde der „Prolog im Himmel“ aus Goethes Faust dargeboten, mit einem fast wirklich authentischen Mephistopheles. Laut den Dokumenten und Erinnerungen von Zeitzeugen war gerade dieser „Prolog im Himmel“ ein Lieblingsstück von Dr. Walter Fränzel, welches er mit Begeisterung und oft selbst vorgetragen hat oder mit verteilten Rollen lesen ließ.

In der Schlussrunde der Jubiläumstage, übrigens in vollem Sonnenschein und im Lichtkleid, fiel unter anderem das Resümee „Die Tage waren so, als wenn wir die Schüler von Dr. Fränzel gewesen wären“.

Der historische Abschiedsgong ertönte drei Mal, damit waren die Jubiläumstage ganz offiziell beendet. Natürlich nicht, ohne vorher noch einmal den Goethe zu zitieren. Der gehörte an diesem verlängerten Wochenende einfach dazu, erreichte aber viel. So erzählte Dietmar: „Mit dem Goethe habe ich mich in der Schulzeit und auch später nicht so richtig beschäftigt. Nach diesen Tagen hier wurde mein Interesse geweckt und ich werde demnächst mal näher in Goethes Werke schauen und lesen“. Dr. Fränzel hätte es gefreut!

Gemütlich ging die Veranstaltung trotzdem locker zur Abreise: Mit einem Abschiedsessen, guten Gesprächen, Gesang und vielen Plänen für 2026 und auch bereits für 2027.

Text & Bilder: Nackedei Buchreihe

 



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